2.13.82.1, 2019-01-22 15:18:18

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Berlin elektrifiziert.

Text, Fotos & Film: Volkswagen Motorsport

Eine Winternacht in Berlin. Es ist kalt. Und doch ist da diese Energie. Das Making of eines ganz besonderen filmischen Werks in vier Szenen.

Alles auf Anfang.

Eine ehemalige Industriehalle in Babelsberg bei Berlin. „Studio 19“ prangt auf der Stirnseite des Gebäudes, das gegenüber einer Kulisse aus hohlen Fassaden und windschiefen Hexenhäuschen steht. Innendrin: 5.445 Quadratmeter – wie leergefegt. Lediglich am beinahe äußersten Ende der 63,80 Meter langen, dreigeteilten Fläche kauert der Volkswagen ID. R. Jener faszinierende Prototyp, der im Juni 2018 in der Rekordzeit von 7:57,148 Minuten auf den 4.302 Meter hohen Pikes Peak raste. Heute ist sein Tag. Einsam und geerdet lauert der Elektro-Renner in der leergefegten Fabrikhalle auf seinen Einsatz. Drehtag für einen kreativen, spektakulären Video-Clip. Ein paar Regie-Pulte, allerlei Computer, Flightcases, Kabel und versteckte Lichtinstallationen deuten auf das Kommende hin. Noch herrscht nüchterne Arbeitsatmosphäre, Neonlicht erhellt jeden Winkel. Nach und nach kommt die Film-Crew ins Studio 19.

Auftritt Stefan. Der Mann mit den Dreadlocks ist ob der Kälte in einen dicken, hüftlangen Mantel gehüllt. Schal und Haarpracht gehen fließend ineinander über. Er hockt auf einem leicht verschossenen Bürostuhl, umkreist den lichtgrauen Star des Abends mit dem breiten Heckflügel langsam, in dem er sich sachte mit den Füßen abstößt. Mal auf seinem Schoß liegt, mal unter seinem Arm klemmt ein aufgeklapptes Notebook. Für eine kleine Weile sind Stefan und der ID. R für sich. Ein paar Handgriffe und kaum merklich wabert Licht über die Silhouette des ID. R. Bis … mit einem lauten Klack das Licht in Studio 19 ausgeht. Und aus der Lichtstimmung Marke Klinik – wird Kunst.

Szene eins, in der jede Menge Energie fließt.

Von den 5.445 Quadratmetern in Studio 19 sind 5.400 auf einen Schlag ausgeblendet. Lediglich drei Projektoren tauchen die Hülle des ID. R mit verschiedenen sogenannten Mappings in bewegtes Licht – wie Energie, die sanft über die Haut des Pikes-Peak-Rekordhalters streicht, langsam in ihn eindringt. Jede Linie, jeder Lichtpunkt folgt präzise den Rundungen des Elektro-Prototyps. Jeden Millimeter des ID. R haben Stefan und seine Kollegen im Vorwege ausgemessen, die Projektoren auf den Millimeter genau ausgerichtet. Ihr Design überlagert jenes der Volkswagen Ingenieure, ergänzt es.

Ein kurzes „Achtung“ schallt durch die Halle. Nicht in die Laserstrahlen zu blicken oder direkt hineinzufotografieren oder -filmen wurde zuvor allen eingeschärft. Das „Achtung“ kündigt an, dass ein weiteres Element der Lichtinstallation hinzukommt: ein Netzwerk aus Laserstrahlen, knapp 30 Zentimeter über dem mittlerweile für den rechten Schimmer und gezielte Reflektionen von der Studio-Feuerwehr gewässerten Hallenboden. Wenige Sekunden später folgen rechnergesteuerte Scheinwerfer. Das Set ist bereit für den Dreh.

Regisseur Bernd Wondollek führt die Kamera selbst. Sie ist an einem Schwenkarm auf Rollen befestigt, der fließende Bewegungen ermöglicht. Die Musik donnert zur Orientierung beim Timing aus einem Ghettoblaster. Dazu folgen seine Aufrufe. „Uuuuuund: Tommmm.“ Tom ist für die Lasertechnik zuständig, die noch eine Spezialität auf Lager hat. Mit den extrem gebündelten Lichtstrahlen lässt sich dort, wo am ID. R zur Gewichtsersparnis nur Aufkleber statt Scheinwerfer angebracht sind, eine Beleuchtung zaubern. Tom hat dazu die entsprechenden Konturen am ID. R dreidimensional nachgefahren. Mit ein paar Klicks am Computer „malt“ er sie direkt auf die Front. Es sieht so einfach aus. „Uuuuuund: Clemensss“. Clemens überwacht für die Szenen die rechnergesteuerten Scheinwerfer am Set. Im späteren Film wird aus Stefans Mapping, Toms Laser und Clemens’ Scheinwerfern die Illusion erschaffen, dass sich der ID. R in dieser Industriehalle mit Energie auflädt, die er bei seiner Fahrt durchs nächtliche Berlin wieder an die Stadt abgibt.

Szene zwei, in der Dieter Depping auftritt und Bewegung in die Sache kommt.

Jene Energie, sie ist am Set spürbar mit dem Auftritt von Dieter Depping. Der Test- und Entwicklungsfahrer von Volkswagen Motorsport und zweite Gasfuß hinter dem Rekord am Pikes Peak ist derjenige, der bei Fahrszenen am Steuer des ID. R sitzt. Die Crew rückt merklich näher an den Elektro-Prototyp, die Anspannung wird sprichwörtlich greifbar. Nach sieben Stunden Dreh am stehenden Objekt kommt nun also Bewegung in die Sache. Dieter Depping beschleunigt den ID. R sachte – vom einen Ende des Studio 19 zum anderen. Etwa 50 Meter sind in der Länge und knappe 17 in der Breite dafür Platz. Ein Audi SQ7 (Verbrauchs- und Emissionswerte nach NEFZ, l/100 km: innerorts 7,7-7,2 / außerorts 6,5-6,2 / kombiniert 6,9-6,6; CO₂-Emissionen kombiniert, g/km: 180-172; Emissionsklasse: Euro 6d-Temp*) ist auch am Start – inklusive eines „Russian Arms“, eines am Fahrzeug befestigten und aus seinem Inneren gesteuerten Kamera-Arms mit enormer Reichweite. ID. R, SQ7 und damit die Fahrer Dieter und Leo steuern mal parallel, mal kreuzend, mal entgegenkommend millimetergenau durch die nun recht eng wirkende Halle. Hier sind zwei Profis am Werk. Für die Außenstehenden sind lichtgrauer und mattschwarzer Wagen jeweils nur als Silhouetten erkennbar. Um zehn Uhr abends ist der Spuk in Studio 19 vorbei. Location eins ist jetzt Geschichte. Umbau, Umzug. Weiter geht’s.

Szene drei, in der ein seltsames Donnern den Tiergarten erschüttert.

Dieses Surren und durchdringende Tosen. Am äußeren Ende des Tiergarten-Tunnels erwartet man einen Düsenjet, der jeden Moment aus diesem kastenförmigen, nur leicht beleuchteten Dunkel auftaucht und über die Filmcrew hinwegfegt. Doch es ist der ID. R. Sein charakteristisches Summen stammt aus den Hilfsaggregaten, Wasserpumpen als Teil des Kühlsystems, das vom bordeigenen 12-Volt-System gespeist wird. Das Tosen von den beiden insgesamt 500 kW (680 PS) starken Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, deren Kraft sich aus dem 915-Volt-System nährt, das am Pikes Peak Geschichte geschrieben hat. Wenn es drauf ankommt, stürmt der ID. R in nur 2,25 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 – das schafft nicht einmal ein aktueller Formel-1-Bolide. Der Berliner Tunnel verstärkt die eher sinnliche Akustik des ID. R zu einem bedrohlichen Donnern. Und auch wenn der SQ7 (Verbrauchs- und Emissionswerte nach NEFZ, l/100 km: innerorts 7,7-7,2 / außerorts 6,5-6,2 / kombiniert 6,9-6,6; CO₂-Emissionen kombiniert, g/km: 180-172; Emissionsklasse: Euro 6d-Temp*) mit dem „Russian Arm“ nach Kräften mit dem Tempo von Dieter Depping schritthält – von ihm ist nur wenig zu hören. Eigens für den heutigen Dreh wurde die leicht kurvige Zufahrt zum Tiergarten-Tunnel in Berlin gesperrt. Von Mitternacht bis zwei Uhr morgens gehört die Röhre dem Filmteam, Dieter Depping und dem ID. R. Immer wieder donnern sie durch den Tunnel, eine Einstellung jagt die nächste. Top-Gun-Akustik inklusive.

Szene vier, in der 680 Pferde auf vier Pferde zupreschen.

Das ist ja auch nicht normal. Breiter als ein Lkw und dazu keine Scheinwerfer. Jagt die Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor auf und ab – teils durch den nicht vorhandenen Gegenverkehr. Darüber, surrend, eine Kameradrohne – und das wenige hundert Meter von der amerikanischen Botschaft entfernt. Kein Wunder, dass kurz nach drei Uhr morgens die Polizei nach dem Rechten sieht. Darf das denn alles sein? Es darf. Genehmigungen werden herausgeholt und für gut befunden.

In der Tat grenzt es an ein kleines Wunder, dass Volkswagen in dieser Mittwochnacht auf der Straße des 17. Juni mit dem ID. R drehen darf. Per Intervallsperrung – je zehn Minuten für den ID. R und dann wieder für den anderweitigen Verkehr in Richtung Brandenburger Tor – ist alles nach der Zufriedenheit der Behörden geregelt. Etwa 15 von ihnen haben dazu ihr Okay gegeben.

Das gibt einer Busladung voll Touristen ausreichend Gelegenheit, die Unterkiefer nach unten zu klappen, als sie den ID. R passieren, der einfach am Straßenrand parkt, als wäre nichts selbstverständlicher als genau das.

Veröffentlicht: Januar 2019

 

* Die angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte wurden nach den gesetzlich vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Seit dem 1. September 2017 werden bestimmte Neuwagen bereits nach dem weltweit harmonisierten Prüfverfahren für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure, WLTP), einem realistischeren Prüfverfahren zur Messung des Kraftstoffverbrauchs und der CO₂-Emissionen, typgenehmigt. Ab dem 1. September 2018 wird der WLTP schrittweise den neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ersetzen. Wegen der realistischeren Prüfbedingungen sind die nach dem WLTP gemessenen Kraftstoffverbrauchs- und CO₂-Emissionswerte in vielen Fällen höher als die nach dem NEFZ gemessenen. Dadurch können sich ab 1. September 2018 bei der Fahrzeugbesteuerung entsprechende Änderungen ergeben. Weitere Informationen zu den Unterschieden zwischen WLTP und NEFZ finden Sie unter www.volkswagen.de/wltp.

Aktuell sind noch die NEFZ-Werte verpflichtend zu kommunizieren. Soweit es sich um Neuwagen handelt, die nach WLTP typgenehmigt sind, werden die NEFZ-Werte von den WLTP-Werten abgeleitet. Die zusätzliche Angabe der WLTP-Werte kann bis zu deren verpflichtender Verwendung freiwillig erfolgen. Soweit die NEFZ-Werte als Spannen angegeben werden, beziehen sie sich nicht auf ein einzelnes, individuelles Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebotes. Sie dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Zusatzausstattungen und Zubehör (Anbauteile, Reifenformat usw.) können relevante Fahrzeugparameter, wie z. B. Gewicht, Rollwiderstand und Aerodynamik, verändern und neben Witterungs- und Verkehrsbedingungen sowie dem individuellen Fahrverhalten den Kraftstoffverbrauch, den Stromverbrauch, die CO₂-Emissionen und die Fahrleistungswerte eines Fahrzeugs beeinflussen.

Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen, spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Str. 1, 73760 Ostfildern-Scharnhausen (www.dat.de/co2) unentgeltlich erhältlich ist.